Programm

FREITAG

16 Uhr (DGB-Haus)

  • Ein Jahr AfD im Landtag
    Diskussion
    Die AfD ist mittlerweile in allen deutschen Landesparlamenten vertreten. Dabei nutzen die Rechten die Landtage nicht nur als Bühne für ihre regelmäßigen Tabubruch- Inszenierungen, sondern auch als konkretes Kampffeld. So setzt die Partei gerne parlamentarische Anfragen ein, um Vereine zu attackieren, die sich gegen rechts engagieren. Seit Herbst letzten Jahres sitzt die AfD auch im bayerischen Landtag, der extrem rechte, völkische „Flügel“ dominiert die Fraktion. Welche Konsequenzen sich daraus ergeben, wollen wir mit Vertreter*innen aus der bayerischen Jugendarbeit, migrantischen Jugendverbänden, dem bayrischen Flüchtlingsrat, Vertreter*innen aus selbstverwalteten Jugendzentren und Beobachter*innen des parlamentarischen Prozesses diskutieren.

19 Uhr (DGB-Haus)

  • NSU 2.0, Hannibal und Uniter – Rechte (Terror-)Netzwerke in den Behörden
    Kristin Pietrzyk, Martina Renner, Patrycja Kowalska
    Mit erschreckender Regelmäßigkeit lesen wir neue Enthüllungen über rechte Netzwerke in Polizei und Bundeswehr, über rechte Chatgruppen, Ätzkalk und Munition hortende Elitesoldaten. Drohschreiben mit geheimen Infos aus dem Polizeisystem werden verschickt, tausende Namen von Linken, kritischen Journalist*innen und migrantischen Aktivist*innen stehen auf Todeslisten für einen „Tag X“. Es fällt schwer, da den Überblick zu behalten. Welche Netzwerke stecken dahinter, wie hängen sie zusammen und warum geht da nichts voran mit der Aufklärung? Martina Renner ist Expertin im Bereich Rechtsterrorismus und war selbst betroffen von Drohschreiben des NSU 2.0. Kristin Pietrzyk ist Nebenklagevertreterin bei den Prozessen gegen die Gruppe Freital und Revolution Chemnitz und ist Rechtsbeistand von Martina Renner bei den Ermittlungen zu NSU 2.0. Mit ihnen wollen wir diskutieren, warum es keinen Aufschrei gibt, wenn Elitesoldaten – also Leute die zum professionellen Töten ausgebildet wurden – den Bürgerkrieg planen, wenn Beamte, die auf interne Informationen zugreifen können, diese gegen ihre Feindbilder einsetzen. Besonders eine Frage drängt sich uns auf: Was können wir als Antifaschist*innen eigentlich dagegen ausrichten?

22 Uhr (Kafe Marat)

  • Abendprogramm

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SAMSTAG

09 Uhr (DGB-Haus)

  • Frühstücksbuffet

10:30 Uhr (DGB-Haus)

  • Feminismus und Solidarität – eine feministische Bewegung, die Geschichte schreibt
    Frauen*streik Zürich
    Wir sind wütend! Wir sind viele! Wir sind wunderschön! Die grösste feministische Mobilisierung der Schweiz hat am 14. Juni 2019 Geschichte geschrieben. Schweizweit nahmen sich über 500.000 Menschen die Strassen in Städten und auf dem Land. Wir waren Frauen, Inter-, Trans- und Queerpersonen, alt und jung, mit oder ohne Beeinträchtigung, mit und ohne Migrationshintergrund, mit und ohne Aufenthaltsbewilligung, mit mehr und weniger Geld, aus allen beruflichen Sparten, mit unterschiedlichen politischen Positionen und Funktionen. Gemeinsam haben wir den Streik um Mitternacht mit viel Lärm eingeläutet, haben auf Plätzen gefrau*lenzt und sind an Zürichs größter Demo Seite an Seite gelaufen, haben den Arbeitsplatz und die Reproduktionsarbeit bestreikt, Wände mit Farbe und Plakaten verschönert, Manifeste vorgelesen, gemeinsam gefeiert, gelacht, geweint, geschrien, gesungen und getanzt. Wie wurde für den feministischen Streik mobilisiert? Was hat die feministische Bewegung so stark gemacht? Was hat sich seit dem letzten grossen Frauen*streik von 1991 in der Schweiz verändert? Wie machen wir weiter? Aktivistinnen* des feministischen Streikkollektivs Zürich berichten.
  • Völkische Verbindungen – Burschenschaften im Netzwerk der extremen Rechten am Beispiel der Markomannia Wien zu Deggendorf
    Kampagne Völkische Verbindungen kappen
    Burschenschaften sind einer der wichtigsten Akteure innerhalb der extremen Rechten und das nicht erst, seit sie durch den Einzug der AfD in die Parlamente auch verstärkt Zugang zu politischen Positionen haben. Trotzdem werden die autoritären und völkischen Männerbünde von antifaschistischen Strukturen häufig unterschätzt. Am Beispiel der extrem rechten Burschenschaft Markomannia Wien zu Deggendorf (und Passau) soll gezeigt werden, wie weit deren Netzwerke reichen und, dass es notwendig ist, sich mit Burschenschaften auseinanderzusetzen. Sich konsequent gegen rechte Burschenschaften zu stellen, heißt deren Netzwerke aufzudecken, sie in ihrer alltäglichen Praxis einzuschränken und ihnen den öffentlichen Raum zu nehmen. In Passau hat sich zu diesem Zweck die Kampagne “Völkische Verbindungen Kappen – Gegen Faschismus jeder Couleur” gegründet. Die Aktivist*innen berichten über die Burschenschaft und von der lokalen Kampagne, den Erfolgen aber auch Schwierigkeiten im Kampf gegen extrem rechte Burschenschafter.
  • Zwischen „Islamischer Republik“ und Freiheitsbewegung
    Kazem Moussavi
    Seit 1979 herrscht im Iran eine islamistische Klerikaldiktatur. Ebenso lange gibt es Widerstand gegen ein Regime das Oppositionelle foltert und hinrichtet, das die Gewerkschaften zerschlug und alle Versuche von Arbeitskräften sich frei zu organisieren versucht zu unterbinden, das Israel mit Vernichtung droht, das Homo- und Transsexuelle verfolgt und ermordet, das Frauen und Mädchen unter den Schleier zwingt und sie ihrer Rechte beraubt. Kazem Moussavi, Sprecher der Green Party of Iran und einer der prominentesten Kritiker des iranischen Regime in Deutschland, beleuchtet die aktuelle Situation im Iran, den Widerstand gegen die islamistische Diktatur und die deutsche Unterstützung für die iranischen Machthaber.
  • Antifaschismus im Betrieb
    Kathrin Birner und Stefan Dietl
    Wie leider ein Großteil der Menschen sind auch Antifaschist*innen dazu gezwungen ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Mehr als die Hälfte des Tages verbringen wir in der Arbeit oder auf dem Weg dorthin. Unsere Arbeitskolleg*innen sehen wir zumeist länger und häufiger als unsere Freund*innen oder unsere Familie. Stefan Dietl und Kathrin Birner gehen in ihrem Vortrag der Frage nach welche Möglichkeiten für antirassistische und antifaschistische Arbeit wir im Betrieb haben, wenn sich schon ein Großteil unseres Lebens dort abspielt. Des weiteren werfen sie einen Blick auf die aktuellen Versuche von AfD und Co. in den Betrieben Fuß zu fassen.

12 Uhr (DGB-Haus)

  • Mittagspause

13 Uhr (DGB-Haus)

  • Golden Dawn und der neue konservative Angriff auf griechische
    Antifaschist*innen
    Ioanna Meitani
    Im September 2013, unmittelbar nach der Ermordung von Pavlos Fyssas, verhaftete die griechische Polizei die Führungsriege sowie etliche Funktionäre und Mitglieder der neonazistischen Partei «Goldene Morgenröte». Nach monatelangen Ermittlungen ordnete das Gericht schließlich an, dass sich 69 Personen, einschließlich aller 2012 gewählten Parlamentsabgeordneten der «Goldenen Morgenröte», vor Gericht für ihre Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verantworten müssen. Es ist einer der wichtigsten Prozesse der griechischen Gegenwart und findet weltweit Beachtung. Doch die griechischen Medien berichten fast gar nicht darüber. Antifaschist*innen gründeten daher den Monitoring-Zusammenhang „GoldenDawn Watch“. Seit Prozessbeginn im April 2015 beobachten sie jeden Prozesstag. Nach nun fast fünf Jahren naht der Tag der Urteilsverkündung. Zwar scheinen einige der mörderischen Faschist*innen hinter Gitter zu landen – alles andere hätte fatale Konsequenzen. Doch haben die griechischen Antifaschist*innen aktuell unter dem Regierungswechsel von der linksliberalen Syriza zur konservativen Nea Demokratia zu leiden. Mit den massiven und brutalen Räumungen der Besetzungen in Exarchia soll ein Exempel statuiert werden: Repression gegen revolutionäre Bewegungen, Zerschlagung der Solidaritätsstrukturen und Selbstorganisation von Geflüchteten und das weitere vorantreiben von Gentrifizierung werden durchgesetzt. Es ist das Gesicht eines neoliberalen Kurswechsels. Über das nahende Urteil gegen Golden Dawn und seine Folgen wird uns Ioanna Meitani berichten.
  • Im Namen der Frauen? Antifeminismus und die Ethnisierung von Gewalt
    Judith Goetz
    Paradoxerweise hat die antifeministische Rechte »Frauenrechte« dort für sich entdeckt, wo die »weiße Frau als Opfer« eine scheinbar neue Mobilisierungskraft entfalten kann: in Kandel, Chemnitz oder Wien. Antifaschistische Kritik, die diese rassistischen Frauenrechtskämpfe als reine Instrumentalisierung abtut, verkennt, dass das Engagement rechter Frauen* für diese auch als Selbstermächtigung funktioniert – die jedoch antifeministisch bleibt. Umso mehr braucht es einen Feminismus, der die patriarchale Ordnung hinterfragt, Männlichkeit nicht heilen will und grundlegend antifaschistisch ist.
  • Die Generation danach
    Gespräch mit Zeitzeug*innen der zweiten Generation
    Verstärkt bemühen sich Nachkommen von NS-Verfolgten auch in Bayern um Vernetzung. Es geht ihnen um Erinnerungsarbeit, Gedenkprojekte, Öffentlichkeit, Aufklärung. Mit aktiven Vertreterinnen der Folgegeneration wollen wir uns in dieser Veranstaltung auseinandersetzen. Neben den sehr unterschiedlichen Familienbiografien soll es auch darum gehen, in wie weit die Verfolgungs- und Ausgrenzungserfahrungen der Eltern das eigene Leben beeinflussten und möglicherweise bis heute beeinflussen. Uns erwartet ein etwas anderes Zeitzeug*innengespräch.
  • Offene Antifaschistische Treffen organisieren
    OATs Rosenheim und Passau
    Gerade in Zeiten von Rechtsruck und autoritärer Formierung wird die Notwendigkeit, Menschen auch außerhalb der schon organisierten radikalen Linke zu erreichen, besonders deutlich. In vielen Städten und Dörfern sind die meist wenigen organisierten Antifaschist*innen vollkommen überlastet. Eine Möglichkeit, Menschen auch über die eigene Szene hinaus zu erreichen, Wissen auszutauschen und sich zu vernetzen sind Offene Antifaschistische Treffen (OAT). Welche verschiedenen Ideen und Ansätze gibt es solche OATs zu gestalten? Welche Funktion hat ein OAT für antifaschistische Arbeit und worauf sollte man bei der Organisation eines OATs besonders achten? Diese und gerne weitere Fragen, die euch zum Thema OAT interessieren, sollen im Workshop gemeinsam mit Aktivist*innen der OATs in Rosenheim und Passau diskutiert werden.

13:30 Uhr (NS-Dokumentationszentrum)

  • Von der Ordnungszelle zur Hauptstadt der Bewegung
    Führung durch das NS-Dokumentationszentrum München
    Wie wurde München nach dem ersten Weltkrieg zum Sammelbecken reaktionärer und extrem rechter Kreise? Besonderes Augenmerk liegt auf den Anfangsjahren der NSDAP, auf dem Scheitern des „Hitlerputsches” im Jahr 1923 und den damit verbundenen Folgen. Und auf der Frage was wir als Antifaschist*innen daraus lernen können.

15 Uhr (DGB-Haus)

  • Brasilien unter Bolsonaro. Schlanker Staat mit harter Hand – über die Angriffe auf Linke und Umweltaktivist*innen und internationale Solidarität
    Mario Schenk
    Seit Januar hat Brasilien eine ultrarechte Regierung. Jair Bolsonaro gewann die Präsidentschaft mit einem nicht existenten Wahlprogramm. Im Wahlkampf präsentierte sich Bolsonaro als Alternative zum politischen Establishment und wusste ein breites Spektrum der politischen Rechten hinter sich zu vereinen. Seinen Wahlerfolg verdankt er aber auch der Schwäche der Linken. Nun sitzen rechte Hardliner auf strategischen Positionen im Regierungsapparat und demontieren die sozialen und demokratischen Errungenschaften von 16 Jahren sozialdemokratischer Politik der Arbeiterpartei PT. Dabei orientieren sich die Rechten wirtschaftlich und ordnungspolitisch am Vorbild Chiles unter Ex-Diktator Pinochet. Der Referent Mario Schenk skizziert, wie Bolsonaro & Co den Staat auf einen Sicherheitsstaat zurückbauen und wie sich Widerstand dagegen formiert. Mit Fokus auf emanzipatorischen und antifaschistischen Kämpfen und dem Widerstand sozialer und Umweltbewegungen beschreibt er die gegenwärtige politische und soziale Situation in Brasilien. Anhand der Auseinandersetzungen um die Brände im Amazonas, der rassistischen Gewalt an den Peripherien der Großstädte oder den Morden an Linken verdeutlicht Schenk auch, dass die Gefahr für Aktivist*innen keineswegs nur vom Staat ausgeht. Denn ein beachtlicher Teil der Bevölkerung steht hinter Bolsonaro und trägt zum Terror gegen Linke selbst bei. Wie sollte internationale Solidarität angesichts des zunehmenden Drucks auf die politische Linke in Brasilien aussehen?
  • Antifascism goes digital: Post-digitale Kulturen der extremen Rechten und feministischer Widerstand
    Tina Reis und Maik Fielitz
    Als Stephan B. in Halle am 9. Oktober versuchte in die Synagoge einzudringen und zwei Menschen ermordete, streamte er seine Attacke live. Ebenso wie der Attentäter von Christchurch, der im März diesen Jahres 51 Menschen in zwei Moscheen tötete. Beide Täter mordeten aus antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Motiven, beide nahmen bei ihren Terrorakten Bezug auf digitale Kulturen. Um die Radikalisierungsprozesse, Kommunikationsstrukturen und Netzwerke des virtuell-international vernetzten Rechtsterrorismus zu verstehen, haben wir Maik Fielitz eingeladen. Er ist Wissenschaftler an der Uni Hamburg und Mitherausgeber des Buches „Post-Digital Cultures of the Far Right. Online Actions and Offline Consequences in Europe and the US”. Wie feministisch-antifaschistische Strategien gegen (extreme) Rechte im Netz aussehen können erklärt uns Tina Reis von feministclickback.org. Denn der Kampf um Sichtbarkeit im Netz wird mitunter hart geführt, schließlich bestimmen eine Handvoll privater Unternehmen, wer die eigenen Inhalte wie verbreiten kann. Das gilt insbesondere auch für Google und Co.: Studien zeigen, dass sich die meisten Menschen nur diejenigen Webseiten ansehen, die in den Suchergebnissen ganz oben stehen. Dass darin ein großes politisches Potenzial steckt, haben extrem rechte Webseiten längst erkannt, durch Suchmaschinenoptimierung streuen sie ihre Inhalte breit. Noch dazu kommt, dass der Google-Algorithmus selbst gesellschaftliche Mehrheitsverhältnisse reproduziert und Diskriminierungen im Netz verstärkt.
  • Antisemitismus in Bayern
    Felix Sowa
    Antisemitismus ist in Bayern Alltag. Er stellt für Jüdinnen und Juden auch nach der Shoah eine tödliche Gefahr dar, wie beispielsweise der Brandanschlag auf das jüdische Altenheim in München (1970), der Mord am Erlanger Rabbiner Shlomo Lewin und seiner Lebensgefährtin Frieda Poeschke (1980) oder der verhinderte Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum in München (2003) zeigen. Welche antisemitischen Aktivitäten lassen sich heute in Bayern beobachten? Welche Akteure stechen besonders hervor? Welche weißen Flecken muss der Antifaschismus in den Blick nehmen – auch wenn es möglicherweise weh tut?
  • Alerta Feuilleton!
    Grundlagen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Antifaschist*innen
    Maxi Dahm und Esther Sontag
    Ihr kämpft mit allem was ihr habt gegen den Faschismus, aber niemand nimmt Notiz davon? Seit Wochen am demonstrieren und die Lokalzeitung hat sich noch kein einziges Mal blicken lassen? Du hast Bock auf Pressearbeit, aber keinen blassen Schimmer von PMs, PKs und PR? Bei uns erfahrt Ihr, wie es Eure Themen durch gute Presse- und Social-Media-Arbeit in die Öffentlichkeit schaffen. Gemeinsam erarbeiten wir uns im Workshop, wie man in Zeiten des autoritären Wandels in Pressemitteilungen und anderen Texten den richtigen Ton trifft, was erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit sowohl am Tag der Demo als auch langfristig ausmacht, und wie ihr Krisensituationen übersteht, ohne an Glaubwürdigkeit einzubüßen. Das Wichtigste vorweg: Jede*r kann Öffentlichkeitsarbeit lernen – und wenn Du zweifelst, ob das auch für Dich gilt, bist Du in diesem Workshop genau richtig.

17 Uhr (DGB-Haus)

  • Rechte Großmobilisierungen in Ost- und Mitteleuropa
    Kolektiv 115, Kapturak, Magdalena Marsovszky, Cornelia Kerth
    Autoritäre Regierungen, rechtskonservative Mehrheiten und militante Faschos – dass es der lokal organisierte Antifaschismus unter diesen Bedingungen nicht leicht hat ist klar. Unterstützung von außerhalb gibt es nur selten. Was aber, wenn militante Faschos aus ganz Europa genau dies strategisch Nutzen? Leichter Zugang zu Waffen und Schießtraining, martialische Großaufmärsche und eine Vielzahl militanter weißer Rassisten machen Ost- und Mitteleuropa gerade für deutsche Nazis extrem attraktiv. Und das oftmals ohne Beachtung seitens der deutschsprachigen Antifaschist*innen. Ob am 11.November, dem Feiertag der polnischen Staatsunabhängigkeit, bei dem allein in Warschau hunderttausende zum nationalistischen Schaulaufen mobilisiert werden, oder jährlich beim „Marsch der Legionäre“, wo sich in Riga tausende Nazis aus ganz Europa zusammenfinden, um lettischen Waffen-SS-Einheiten zu gedenken. Antifaschistischer Gegenprotest ist in der Minderheit und noch dazu von Gewalt und Repression bedroht. Der lettische Staat ließ Aktivist*innen der VVN-BdA vor drei Jahren kurzer Hand einfach abschieben. In Ungarn regiert mit Orban seit neun Jahren ein Politiker, dessen Ideologie als faschistisch bezeichnet werden kann, der antisemitische, antiziganistische und rassistische Hetze zur Staatsdoktrin erhebt. Und trotzdem regt sich Widerstand und Solidarität, wie sich in Tschechien am Beispiel des antifaschistischen Kolektiv115 zeigt. Um über die Bedingungen und Möglichkeiten antifaschistischen Widerstands und die faschistischen Netzwerke in Polen, Lettland, Ungarn und Tschechien zu diskutieren laden wir ein: Kapturak – den twitterbekannten, antifaschistischen Aktivisten aus Warschau, Cornelia Kerth – die Vorsitzende des VVN – BdA zu den Protesten gegen die lettische SS-Verehrung, die zwischen Ungarn und Deutschland pendelnde Wissenschaftlerin und Antifaschistin Magdalena Marsovszky, sowie die tschechische Gruppe Kolektiv 115, die auch im Beyond Europe Netzwerk aktiv sind.

  • Kämpfe um Care-Arbeit
    Bettina Rödig, tba
    Bei dieser Veranstaltung soll es darum gehen, aus emanzipatorischer Perspektive einen Blick auf den Bereich der Carearbeit zu werfen, also darauf wie Pflegen, Sich-Kümmern und Betreuen in unserer Gesellschaft funktioniert. Dabei spielen patriarchale Geschlechterverhältnisse eine herausragende Rolle, sowie die Frage nach der gesellschaftlichen Anerkennung von Carearbeit, die in den bestehenden Verhältnissen oft schlecht, unter- oder unbezahlt geleistet wird, obwohl sie ein so wichtiger Teil von Gesellschaft ist. Bettina ist Gesundheits- und Krankenpflegerin und kämpft als aktive Gewerkschafterin für Anerkennung und bessere Bezahlung. Besonders für eine Radikale Linke steht zudem die Frage im Fokus, wie Selbstorganisation in Pflegeberufen funktionieren könnte. Das und vieles mehr wollen wir in diesem Rahmen thematisieren und diskutieren.

  • Grüne Wiesen, brauner Sumpf. Der RechtsRock-Untergrund am Beispiel Allgäu
    Sebastian Lipp
    Das Allgäu ist für viele Menschen nicht viel mehr als eine schmucke Urlaubsregion: grüne Wiesen, weißblauer Himmel, die Berge am Horizont, die Kühe vor der Nase. Doch ein Blick hinter manche Fassade zeigt: Hier gibt es auch einen braunen Sumpf. Und der reicht zurück bis in die 90er Jahre. Seit damals die Skinheads Allgäu 88 verboten wurden, war die Szene nie wieder von struktureller Repression betroffen. Voice of Anger professionalisierte sie zur heute größten und stabilsten Gruppe ihrer Art in Bayern. Sie ist in der Region gut integriert, unterhält beste Kontakte zum Blood&Honour-Netzwerk, aus dem auch der NSU hervorging und ihr Label Oldschool Records schickt Bands, Tonträger und Merchandise um den ganzen Globus. Mit einem Tarnverein biedern sie sich teils durchaus erfolgreich an eine vermeintlich unpolitische Skin- und Punk-Szene an. Doch wie gefährlich ist dieser braune Sumpf um die Skinheadkameradschaft Voice of Anger wirklich? Welche Akteure verbergen sich in ihm und wie weit reichen deren Verbindungen in militante Untergrundstrukturen im In- und Ausland? Kommt der Allgäuer Szene bundesweite Bedeutung zu?
  • Gedenken als Kritik – Der antisemitische Mord an Frida Poeschke und Shlomo Lewin
    Initiative kritisches Gedenken
    Am 19. Dezember 1980 wurden Frida Poeschke und ihr Ehemann, der Verleger und Rabbiner Shlomo Lewin in der Erlanger Ebrardstraße erschossen. Obwohl Verbindungen des Täters zur Wehrsportgruppe Hoffmann nahe lagen, gingen die Ermittlungsbehörden einer Einbettung in Nazistrukturen nicht weiter nach. Stattdessen legten sie sich schnell auf die Version eines Einzeltäters fest. Nicht nur wegen des mutmaßlichem Selbstmords des Täters im Libanon sind aber nach wie vor viele Fragen offen. Die gesellschaftliche und institutionelle Blindheit für Antisemitismus verhinderte damals eine weitergehende Aufklärung und kritische Auseinandersetzung mit der Tat in der Öffentlichkeit. Die Erlanger »Initiative kritisches Gedenken« arbeitet seit einigen Jahren zu dieser Thematik und kämpft für dessen Aufarbeitung und gegen das Vergessen.

18:30 (DGB-Haus)

  • Abendessen

19:30 (DGB-Haus)

  • Von der Sympathie zur praktischen Solidarität? Perspektiven aktueller sozialer Bewegungen
    Podiumsdiskussion mit Aktivist_innen in verschiedenen sozialen Bewegungen
    Auch wenn die politischen Rechtsverschiebungen vieles überlagern, waren die letzten Jahre geprägt von vielfältigen emanzipatorischen Kämpfen. Die Klimagerechtigkeits-Bewegung hat es geschafft, die gesamtgesellschaftliche Debatte zu prägen, feministische Bewegungen haben die Kämpfe um reproduktive Rechte und soziale Frage ins Zentrum der Aufmerksamkeit verschoben, in stadt- und mietenpolitischen Kämpfen konnte an der Unantastbarkeit des kapitalistischen Privateigentums gekratzt werden, die Bewegungen der Migration organisieren praktischen Widerstand gegen die mörderische europäische Abschottungspolitik und Antifaschist_innen kämpfen alltäglich gegen das Erstarken der Rechten. Auffällig bleibt, dass die vielfältigen sozialen Bewegungen in ihren Kämpfen organisatorisch und strategisch oft für sich bleiben. Wenn sie praktisch zusammenkommen, dann meist nur im Rahmen der großen Protest-Events wie #ausgehetzt oder #unteilbar. Was den einen als Ausdruck von Autonomie und Spontaneität erscheint, kritisieren andere für seine lokale und thematische Begrenztheit, politische Isolation und Defensive. Doch die Perspektive lässt sich auch drehen. Das Mittel des Streiks, meist assoziiert mit Lohn- und Klassenkämpfen, kommt in feministischen Kämpfen und der Klimagerechtigkeitsbewegung zurück, die Straßenblockade, langjähriges Mittel antifaschistischer Kämpfe, findet neue Ziele. Gemeinsam mit Aktivist_innen aus Antifa, antirassistischer Bewegung, Klimagerechtigkeitsbewegung und neuer Klassenpolitik wollen wir diskutieren: Wie beziehen wir uns in unseren Kämpfen aufeinander oder verbinden wir sie in einem gemeinsamen Kampf, einem gemeinsamen Projekt oder gar einer gemeinsames Organisation? Wie geht Sympathie in praktische Solidarität über, wie machen wir aus einem Kampf viele – oder aus vielen kleinen einen großen? Wie wollen wir antifaschistische Organisationen aufbauen, die – wenn es denn hart auf hart kommt – Solidarität und Widerstand praktisch gegen faschisierte Staatsapparate und den rechten Mob durchsetzen können? Was ist Ziel unserer Kämpfe, die Verhinderung der Katastrophe, die tausend kleinen Verbesserungen oder die eine, große Revolution?

22 Uhr (Kafe Marat)

  • Kongressparty

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SONNTAG

09 Uhr (Kafe Marat)

  • Frühstücksbuffet

10 Uhr (Kafe Marat)

  • Rechte Strukturen in Südbayern
    Panel 1
    „Know your enemy“ gilt nicht nur ideologisch, sondern auch personell. Ein akteursorientierter Blick auf die extreme Rechte in Bayern ist essentieller Teil antifaschistischer Arbeit – ob in der bayerischen Provinz oder in den großstädtisch geprägten Regionen. Aufgeteilt in drei parallele Panels – Südbayern, Franken und Ostbayern – stellen aktive Rechercheur*innen die relevantesten Akteure und Akteursgruppen vor und hoffen auf rege Diskussionen und Ergänzungen von Antifas aus der Region.
  • Rechte Strukturen in Franken
    Panel 2
    „Know your enemy“ gilt nicht nur ideologisch, sondern auch personell. Ein akteursorientierter Blick auf die extreme Rechte in Bayern ist essentieller Teil antifaschistischer Arbeit – ob in der bayerischen Provinz oder in den großstädtisch geprägten Regionen. Aufgeteilt in drei parallele Panels – Südbayern, Franken und Ostbayern – stellen aktive Rechercheur*innen die relevantesten Akteure und Akteursgruppen vor und hoffen auf rege Diskussionen und Ergänzungen von Antifas aus der Region.
  • Rechte Strukturen in Ostbayern
    Panel 3
    „Know your enemy“ gilt nicht nur ideologisch, sondern auch personell. Ein akteursorientierter Blick auf die extreme Rechte in Bayern ist essentieller Teil antifaschistischer Arbeit – ob in der bayerischen Provinz oder in den großstädtisch geprägten Regionen. Aufgeteilt in drei parallele Panels – Südbayern, Franken und Ostbayern – stellen aktive Rechercheur*innen die relevantesten Akteure und Akteursgruppen vor und hoffen auf rege Diskussionen und Ergänzungen von Antifas aus der Region.

13 Uhr (Gedenkstätte Dachau)

  • Erinnern heißt Kämpfen
    Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Dachau
    Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 markierte den Übergang von Diskriminierung und Ausgrenzung zu offener Feindschaft und der systematischen Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland und Europa. Die systematische Verfolgung und Ermordung von Jüdinnen und Juden durch die NS-Diktatur „(…) war ein Ereignis von solcher Tragweite, dass der Mantel des Vergessens sich nie darüber senken wird. Es ist ein Ereignis außerhalb jeder Zeit“ (Claude Lanzmann). Zum Programm des Gedenkveranstaltung gehören Gedenkreden, die Vorstellung von Biographien von Opfern des KZ Dachau und eine gemeinsame Kranzniederlegung zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus.