Programm 2018


Donnerstag 1.11.18

21 Uhr (Kafe Marat)

  • Collage zur Utopie des kommunistischen Begehrens
    Janis Walter, Katharina Vitt, Ann-Katrin Lebuhn und Fabian Blunck
    Ein Abend zum Unterhalten, für den Text-, Video- und Musikschnipsel zu einer Collage zusammengefügt werden. Vier Bilder lassen wir hier sprechen durch Performen , Lesen, und Singen (lassen): Nur um der Hoffnungslosen Willen ist uns die Hoffnung gegeben; Hoffnung entsteht durch Revolte; Absurd ist, was ist, und nicht zu glauben, dass es anders sein könnte und – wo ist die Utopie? Mit Janis Walter, Katharina Vitt, Ann-Katrin Lebuhn und Fabian Blunck

Freitag 2.11.18

14 Uhr (Am Stadtmuseum)

  • Historische Stadtführung
    „Revolution in Bayern“ &  „Ehemaliger jüdischer Besitz des Stadtmuseums”
    Neben der Stadtführung „Revolution in Bayern“ zur revolutionären Geschichte Münchens, gibt es eine Führung durch die Ausstellung „Ehemaliger jüdischer Besitz” – Erwerbungen des Münchner Stadtmuseums im Nationalsozialismus. In der Ausstellung werden über ausgewählte Kunstwerke sowie historische Dokumente und Fotografien die Ankaufspolitik des Hauses der Jahre 1933 bis 1945 und die Aktivitäten der damaligen Museumsleitung nachgezeichnet. Treffpunkt ist 14 Uhr am Stadtmuseum.

19 Uhr (DGB-Haus)

  • Was ist dieser „Rechtsruck“ und wie werden wir ihn los?
    Saskia Anders, Jerome Trebing, Regina Wamper
    Der Einzug der AfD in den bayrischen Landtag ist Ausdruck einer weitreichenden Veränderung, die oft als „Rechtsruck“ bezeichnet wird. Damit ist die derzeitige Durchsetzungskraft rechter Akteure und ihrer Themen gemeint, die sich in rechter, diskursiver Hegemonie und einer autoritären Formierung von Staat und Gesellschaft äußert: Die AfD ist als Antreiber dieser Entwicklung eigentlich nicht mehr nötig. Autoritäre und repressive politische Antworten auf soziale Fragestellungen werden auch gegen intensiven Protest (#nopag, #ausgehetzt, #jetztgilts) durchgesetzt. Wie hängt dies mit dem Erstarken einer sozialen Bewegung von rechts zusammen? Freital, Clausnitz, Bautzen, aber auch Chemnitz und Köthen offenbaren eine kontinuierliche rechte Mobilisierungsfähigkeit. Diese Ereignisse befeuern alltägliche rechte Gewalt und bilden die Grundlage für die Entstehung rechtsterroristischer Strukturen.
    Was braut sich da unter der vagen Bezeichnung „Rechtsruck“ zusammen? Ist die rechte Regierung in Österreich ein Blick in unsere Zukunft? Was können wir gegen diese Entwicklungen unternehmen?
    Mit Saskia Anders (Münchner Soziologin), Jerome Trebing (@MenschMerz aus Wien) und Regina Wamper (Soziologin am DISS) auf dem Podium wollen wir diese und andere Fragen gemeinsam diskutieren.

21 Uhr (Kafe Marat)

  • Abendprogramm

Samstag 3.11.18

9 Uhr (DGB-Haus)

  • Frühstück

10 Uhr (DGB-Haus)

  • Geschlechterpolitik und die extreme Rechte
    Regina Wamper
    2011 verübte Anders Breivik in Norwegen zwei Anschläge, bei denen 77 Menschen ums Leben kamen. In seinen Begründungen führte er u.a. an, dass der Fortbestand der „europäischen Zivilisation“ davon abhänge, „wie standhaft europäische Männer Widerstand gegen den politisch korrekten Feminismus leisten“. Einige Monate später wurde die Mordserie des NSU einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Als eine von drei HaupttäterInnen stand seit Ende 2012 Beate Zschäpe vor Gericht. In der bundesdeutschen Medienlandschaft wurde sie nicht selten als Mitläuferin und „Nazi-Braut“ betitelt. Die Anschläge von Norwegen und die Mordserie des NSU markieren eine notwendige Debatte. Welche Rolle spielt Geschlechterpolitik innerhalb der extremen Rechten? Welche Relevanz hat Antifeminismus? Wie verhält sich die Verhandlung zum Thema Geschlecht zu dem von der extremen Rechten erklärten Ziel der „Volksgemeinschaft“, welche Rolle spielt das Thema für den Nationalismus, den Rassismus? Diesen Fragen wird die Referentin nachgehen und einen Überblick über Geschlechterkonstruktionen in der extremen Rechten geben.
  • Faschisierung der Gesellschaft
    Klaus Weber
    Befindet sich Deutschland auf dem Weg in einen faschistischen Staat? Mit dem Begriff der „Faschisierung“ versucht Klaus Weber dieser Frage auf den Grund zu gehen (ohne gleich „richtige“ Antworten geben zu können). „Faschisierung“ ist der Begriff, der den aktuellen Prozess beschreiben könnte: ein „noch-nicht“ in Bezug auf die kulturelle und politische Machtübernahme der alt-neuen völkischen, nationalistischen Bewegung und ihrer Partei, der AfD. Und ein „nichtmehr“ einer demokratisch verfassten Gesellschaft (wenn es die in Deutschland jemals gab). Grundlage seines Referats wird sein politisches Tagebuch der Faschisierung Deutschlands (2016 – 2018) sein, dass – leider – aktueller denn je ist.

  • Feministische Selbstverteidigung und Selbstbehauptung für Frauen*
    Tanja Sachs
    Angst beginnt im Kopf, Mut auch! Gefühlen vertrauen, die eigenen Bedürfnisse und Ängste wahrnehmen, das eigene Leben in den Mittelpunkt stellen, Vertrauen in die eigene Stärke und die vielfältigen Möglichkeiten der Selbstbehauptung finden, aktiv werden. Selbstbehauptung und -verteidigung ist von allen erlernbar. Und noch eins: Selbstbehauptung und -verteidigung macht Spaß! Das erwartet Dich im Workshop: Kennenlernen, Aktivierungsübungen, Information zu Konfrontationsprinzipien und Strategien der Selbstbehauptung, Körpersprache, Rollenspiele & Konfrontationstraining, Einüben wirkungsvollen Schreiens, Schlagübungen, Diskussion. Bitte mitbringen: bequeme Kleidung und Schuhe, Getränke (Schreien macht durstig!) Tanja Sachs ist qual. Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungslehrerin und Sozialpädagogin.
  • Einheitsgewerkschaft und Antifaschismus: Der Zugang der Gewerkschaften zum Antifaschismus
    Wolfgang Veigluber
    Im Workshop werden zunächst ausgehend von den Grundbestimmungen abhängiger Arbeit die Kernfunktionen der Gewerkschaften als Vertretung der abhängig Beschäftigten erörtert. Hierbei wird auch der Staat als Rahmensetzer des ökonomischen Geschehens und als Instanz, die einen nationalen Willen und das entsprechende Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger herstellt, in die Erörterung einbezogen. Danach soll das völkisch-nationalistische Denken auf sein Verhältnis zur abhängigen Beschäftigung hin diskutiert, also der Klasseninhalt rechter Politik und deren Schädlichkeit für Lohnabhängige herausgearbeitet werden. Im zweiten Teil des Workshops geht es dann um das aktuelle Verhältnis von Beschäftigten und Gewerkschaftsmitgliedern zur Rechten, bevor der gewerkschaftliche Antifaschismus einer kritischen Bestandsaufnahme unterzogen wird. Am Ende des Workshops stehen einige zugespitzte Thesen hinsichtlich der Konsequenzen für gewerkschaftliches Denken und Handeln.

12 Uhr (DGB-Haus)

  • Mittagessen

13 Uhr (DGB-Haus)

  • Zeitzeuginnengespräch zur NS-“Euthanasie“
    Antje Kosemund
    Antje Kosemund ist Zeitzeugin des NS-Regimes und hat miterleben müssen, wie ihre Schwester im nationalsozialistischen Euthanasieprogramm ermordet wurde. Sie ist aktive Gewerkschafterin, Mitglied der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) und seit Jahrzehnten als Zeitzeugin in Schulen, Universitäten und bei politischen Gruppen unterwegs. Sie ist Mitglied des Stiftungsrat des Hans-Frankental-Preises im intern. Auschwitz-Komitee und war bis 2012 Mitglied im Beirat der „Hamburger Stiftung für NS-Verfolgte“. Sie wird über das nationalsozialistische Euthanasieprogramm und ihr Leben während und nach dem Nationalsozialismus sprechen und ihre Erfahrungen mit dem Publikum teilen.

  • Kybernetik, Politik, Polizei und der Schwarzer Block
    Hans Christian Dany
    Kybernetik ist keine dunkle Macht, sondern eine andere Perspektive. Sie betrachtet die Wirklichkeit als ein Gefüge aus Systemen, dessen Einzelteile durch Kommunikation gesteuert werden. Durch die Kybernetik veränderten sich die Techniken des Regierens. Kritik an den bestehenden Verhältnissen kann zur stabilisierenden Rückmeldung umgedeutet werden. Das Feedback informiert ein System über seine Schwachstellen. Kritik optimiert das Kritisierte. Der Versuch Widerstand zu leisten, wendet sich zum belebenden Impuls. Demokratie wird zu einer Apparatur, deren Hauptziel in der Erhaltung der bestehenden Ordnung liegt. Kybernetische Regierungen erfordern veränderte Gegenstrategien. Was könnten Bewegungsformen in diesen veränderten Umständen sein? Und was hat Black Box mit dem Schwarzen Block zu tun? Hans-Christian Dany lebt in Hamburg und schrieb das Buch „Morgen werde ich Idiot. Kybernetik und Kontrollgesellschaft.“ Zuletzt erschien von ihm „MA-1. Mode und Uniform.“

  • Antisemitismus und die AfD
    Stefan Dietl
    Antisemitismus gehört zu den wesentlichen Ideologieelementen der deutschen Rechten. Zwar finden antisemitische Vorurteile und Stereotype bis weit in die sogenannte bürgerliche Mitte Verbreitung, in der politischen Rechten ist der Antisemitismus jedoch unabdingbarer Bestandteil ihrer wahnhaften Welterklärung. So auch in der AfD. Obwohl der Antisemitismus dem politischen Denken der AfD inhärent ist und Funktionäre der AfD immer wieder mit antisemitischen Äußerungen an die Öffentlichkeit treten, wird diesem Aspekt bei der Betrachtung der Partei meist nur wenig Beachtung geschenkt. Der Vortrag von Stefan Dietl, Autor (Die AfD und die soziale Frage) und Journalist, beschäftigt sich mit den verschiedenen Ausprägungen des antisemitischen Denkens in der AfD.

  • Die Landtagswahl – Eine Auswertung
    OpenSpace
    Mit dem Einzug der AfD wird zum ersten Mal seit Langem eine Partei rechts der CSU im bayerischen Landtag vertreten sein. Nach einem Wahlkampf in dem sich CSU und AfD mit Forderungen nach Abschottung, Ausbau des Überwachungsstaats und sozialpolitischen Verschärfungen gegenseitig überbieten, wird die antifaschistische und antirassistische Linke nun mit einer neuen Situation konfrontiert sein: einer geschwächten CSU und einer gestärkten AfD. Das letztere sofort alle parlamentarischen Hebel in Bewegung setzen wird, um die Arbeit kritischer Zivilgesellschaft, kämpferischer Gewerkschaften und politischer Linke zu behindern, zeigt die Erfahrung aus anderen Bundesländern. Wie organisieren wir also Solidarität gegen die erwartbaren Angriffe von rechts und unsere eigenen Kämpfe für eine progressive Alternative zu nationalistischer Enge, kapitalistischer Ausbeutung und rassistischer Ausgrenzung? Darüber wollen wir mit euch im Open Space diskutieren. Dazu wird es einen kurzen Input geben, wir freuen uns auf eure Einschätzungen, Analysen und Ideen.

15 Uhr (DGB-Haus)

  • Kein Schlussstrich! – Aber wie weiter?
    Caro Keller, Alexander Hoffmann, Patrycja Kowalska
    7 Jahre nach der Selbstenttarnung, 5 Jahre NSU-Prozess, 3 Monate nach der Urteilsverkündung: Kein Schlussstrich! – Aber wie weiter? Dass kein Schlussstrich unter den NSU-Komplex gezogen werden kann, scheint offensichtlich, ist aber keine Selbstverständlichkeit. Entgegen der staatlichen Versuche eine Geschichte vom NSU als abgeschottetes Trio zu erzählen, hat sich die Erkenntnis, dass der NSU-Komplex keineswegs aufgeklärt ist, weit verbreitet. Ein solcher Erfolg spiegelt sich in der diskursiven Durchsetzung der Kampagne „Kein Schlussstrich“ zum Prozessende wieder. Einer Kampagne, die an den unermüdlichen Kampf der Betroffenen und Angehörigen der Opfer des NSU-Terrors anknüpft und auf jahrelange antirassistische und antifaschistische Arbeit aufbaut. Nun ist es Zeit für ein abschließendes Resümee: 7 Jahre nach der Selbstenttarnung – Was wurde bisher aufgedeckt? 5 Jahre NSU-Prozess – Wie sind die Erfahrungen antifaschistischer Arbeit entlang eines Großverfahrens retrospektiv zu bewerten? 3 Monate nach Urteilsverkündung – Was sind nun die konkreten Schritte zur Verwirklichung der Forderung „Kein Schlussstrich“? Diese Fragen möchten wir mit euch gemeinsam diskutieren. Moderiert von Patrycja Kowalska, der Sprecherin der „Kein Schlussstrich“- Kampagne laden wir die Expert*innen Caro Keller von NSUWatch und Alexander Hoffmann, Nebenklagevertreter im NSU Prozess für Betroffene des Keupstraßenanschlags, ein, um mit euch in einen produktiven Austausch zu kommen.

  • Neue Klassenpolitik statt Rechtsruck und Neoliberalismus
    Sebastian Friedrich
    Seit den Wahlerfolgen der AfD werden die Ursachen des Rechtsrucks diskutiert und die soziale Frage wiederentdeckt. Während sich die Rechte als Alternative präsentiert, machen die etablierten Parteien so weiter wie bisher. Die gesellschaftliche Linke aber scheint blockiert und hat sich in einer Diskussion festgebissen, die kulturelle und soziale Kämpfe künstlich trennt. Dabei sind sie gemeinsam die Grundlage für linke Politik – für eine Neue Klassenpolitik nämlich, die die Interessen der Lohnabhängigen und sozial Abgehängten ernst nimmt und zugleich Antirassismus, Feminismus und die Anerkennungskämpfe gesellschaftlicher Minderheiten nicht für zweitrangig erklärt. Die überwältigende Mehrheit der Menschen muss ihre Arbeitskraft verkaufen, um zu überleben. Das gilt nicht nur für weiße Männer in Fabriken, sondern auch für migrantische Altenpfleger und Paketzustellerinnen. Die Chance einer Klassenpolitik auf der Höhe der Zeit liegt darin, Menschen verschiedener Identitäten zu vereinen, ohne zu ignorieren, was sie voneinander unterscheidet. Sebastian Friedrich ist Journalist und Mitherausgeber des Sammelbandes „Neue Klassenpolitik: Linke Strategien gegen Rechtsruck und Neoliberalismus“ (Bertz und Fischer Verlag, Berlin 2018)
  • Was tun?
    Straßen aus Zucker
    Was tun? Diese Frage stellt sich im gegenwärtigen Rechtsruck vielen, die sich nicht mit der schlechten Gegenwart und auch nicht mit einer noch schlechteren Zukunft der herrschenden Verhältnisse zufrieden geben wollen. Dazu gehört auch die Jugendzeitung „Straßen aus Zucker“, die in ihrer neuen Ausgabe einige Antworten für eine aktuelle antifaschistische Kritik und Praxis vorschlägt. Daraus stellt die „Straßen aus Zucker“ Redaktion die wichtigsten Inhalte vor und fokussiert die historische Einordnung der Antifa: Wo kommt sie her? Was waren Widersprüche, Konflikte und Lösungsansätze? Und natürlich die Frage für heute: Was tun?

  • Digitale Selbstverteidigung
    Kristian Glockner
    „Ich hab‘ ja Nichts zu verbergen!“ – mit dieser Floskel wird nicht selten auf die Forderung nach einem verantwortungsvollen Umgang mit Daten reagiert. Doch sichere Kommunikation und Vertrauen in unserer Geräte ist heute – auch im Hinblick auf das neue bayerische Polizeiaufgabengesetz – wichtiger als je zuvor. Der Vortrag soll dir die Sensibilität deiner Daten ins Bewusstsein rufen und mit konkreten Tipps helfen, diese zu schützen. Es werden Tools vorgestellt, mit denen wir ohne großen Aufwand Datenspuren vermeiden, Privatsphäre schützen und Daten und Kommunikation verschlüsseln können. In der Kürze der Zeit werden wir es nicht schaffen eure mitgebrachten Geräte komplett zu verschlüsseln – ihr könnt aber trotzdem gerne eure voll aufgeladenen Geräte mitbringen, um die vorgestellten Tools gleich auszuprobieren.

17 Uhr (DGB-Haus)

  • Podiumsdiskussion: Arbeitskämpfe in Zeiten der Digitalisierung
    Nina Scholz, John Malamatinas
    Was ist Digitalisierung und was hat das mit Klassenkämpfen zu tun? Inwieweit hat sich der Kapitalismus durch neue Techniken und Betriebsformen verändert? Befinden wir uns gerade in einer Phase einer erneuten industriellen Revolution, wie es der Begriff „Industrie 4.0“ suggeriert?
    Dabei stehen vor allem die Folgen der Digitalisierung für die Arbeiter*innen und unser Widerstand im Zentrum der Betrachtung und sollen anhand der aktuellen Arbeitskämpfe bei Amazon und Foodora diskutiert werden. Auch die Transformation zur angeblich ökologisch und sozial gerechten Smart City wird Thema sein. Nicht überraschend ist die Smart City ein Lieblingsprojekt vor allem von Technikunternehmen, steht aber auch wegen möglicher neuer Überwachungsmöglichkeiten in der Kritik. Es ist kein Zufall, dass gerade jene Konzerne zu den stärksten Befürwortern der effizienten und intelligenten Stadt gehören, die auch die Digitalisierung der Arbeitswelt federführend vorantreiben.
    Auf dem Podium diskutieren Nina Scholz und John Malamatinas die Auswirkungen der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt. Nina Scholz ist Journalistin und schreibt u. a. für Missy Magazin, Freitag, taz und ak, gibt das HATE Magazin heraus und ist Autorin des Buchs „Nerds, Geeks und Piraten. Digital Natives in Kultur und Politik“.
    John Malamatinas ist freier Autor aus Berlin, Brüssel und Thessaloniki und in verschiedenen antikapitalistischen Netzwerken aktiv. Thematisch beschäftigt er sich vor allem mit sozialen Kämpfen, der Krise in Griechenland und dem Nationalismus.
  • Die christliche Rechte in Deutschland
    Lucius Teidelbaum
    Säkular bis laizistisch eingestellte Personen, zumeist Feminist*innen, Linke und gesellschaftspolitisch Liberale, werden in den letzten Jahren zunehmend mit der christlichen Rechten, so der im Folgenden verwendete Oberbegriff, konfrontiert. Diese hat seit ein paar Jahren ihre Enklaven verlassen und tritt verstärkt öffentlich auf. Sei es durch eigene Aufmärsche wie die diversen „1.000-Kreuze“-Märsche oder die „Demo für alle“, sei es durch das Wirken in Parteien, traditionell in der Union und seit ihrer Gründung 2013 auch in der AfD. Linke, Feminist*innen und Liberale sehen sich derart verstärkt mit dieser ‚Rechten Gottes‘ konfrontiert. Doch das Wissen über deren Strukturen und deren Agenda ist häufig eher gering. Dazu kommen Fehleinschätzungen über Stärke und Einfluss der christlichen Rechten. Der Vortrag versucht, eine realistische Einschätzung über Einfluss, Stärke und Kampagnenfähigkeit der christlichen Rechte in der Bundesrepublik geben. Er soll zudem auch eine Einführung in ihr Weltbild liefern. Die Schilderung des reaktionären Weltbildes der christlichen Rechte ist notwendig, um deren Positionen nachzuvollziehen. Der Referent wird auch Strukturen aus Bayern in seinem Vortrag benennen. Lucius Teidelbaum ist freier Journalist, Publizist und Rechercheur zum Thema extreme Rechte und anliegende Grauzonen. Von ihm erschienen u.a. im Unrast-Verlag insgesamt vier Bücher, jeweils zu den Themen „Braunzone Bundeswehr. `Rechtsum ́ in der Männertruppe“ (2012), „Obdachlosenhass und Sozialdarwinismus“ (2013), „PEGIDA. Die neue deutschnationale Welle auf der Straße“ (2016) und „Die christliche Rechte in Deutschland“ (2018).
  • Social Media Workshop
    Medienkollektiv Wien
    Twitter-Liveticker von Demonstrationen, Politgruppen-Pages auf Facebook, linker Merch und Memes auf Instagram. Social Media ist längst ein fixer Bestandteil linker und linksradikaler Medienarbeit geworden. Über diese Medien kann man mit relativ wenig Aufwand, in Echtzeit und unkompliziert Interessierte erreichen. Im Übrigen können durch diese Art der Berichterstattung Bilder geschaffen werden, die abseits der klassischen Berichterstattung bürgerlicher Medien stehen. Wir wollen im Workshop über Möglichkeiten und Risiken von Social Media Präsenz im Rahmen verschiedener Formen von antifaschistischen Aktivismus diskutieren. Dabei werden wir auch einen Fokus auf Daten- und Kommunikationssicherheit, der sich vor allem in Hinblick auf Überwachung und Repression mit den Fallstricken von Social Media Aktivismus auseinandersetzt, legen.
  • Unversöhnlich gegen Kaltland
    [das schweigen durchbrechen]
    Die politische Situation in Deutschland hat sich auf unterschiedlichen Ebenen massiv verschlechtert. Der Zusammenschluss zwischen konservativer Mitte und organisierten Neonazis hat sich erfolgreich neu formiert. In Orten wie Chemnitz, Köthen, Wurzen, Cottbus spitzt sich en masse zu, was in Form von Bedrohungen, Angriffen, Anschlägen bundesweit auf der Tagesordnung steht. Linke Antworten fallen unterschiedlich aus: Ein Teil der radikalen Linken sucht unter Bannern wie „XY ist bunt“ und #wirsindmehr den Schulterschluss mit bürgerlichen Initiativen und hebt die Wichtigkeit einer Kooperation mit Locals hervor. Das bundesweite Bündnis „Irgendwo in Deutschland“, das sich vor zwei Jahren gegründet hat, verfolgt eine andere Strategie. Es will auf die Mobilmachung des rassistischen Mobs mit unversöhnlichen Interventionen reagieren. Das bedeutet: Den völkischen Rassismus ohne entschuldigende Erklärungen anzuprangern. Ansprechpartner*innen vor Ort sind vor allem lokale Antifa-Strukturen, nicht die Bevölkerung per se. Ausgehend von einem kurzen Input wird der Ansatz zur Diskussion gestellt. [das schweigen durchbrechen] aus Nürnberg ist u.a. Teil von „Irgendwo in Deutschland“

19 Uhr (DGB-Haus)

  • Abendessen

20 Uhr (DGB-Haus)

  • Irgendwie alles anders? Podiumsdiskussion zu Utopie
    Raul Zelik, Carolin Wiedemann, Gisela Notz, Roger Behrens
    Linke, antifaschistische Politik arbeitet sich am Ist-Zustand ab, gerade in Zeiten von Rechtsruck und autoritärer Formierung. Das, wofür gekämpft wird, bleibt vage, abstrakt verborgen in Begriffen wie „befreiter Gesellschaft“, unter der sich oftmals niemand etwas Konkretes vorstellen kann, außer dass irgendwie alles anders wäre. Im Rahmen dieses Podiums sollen daher linke Vorstellungen von Utopie Raum bekommen und zur Diskussion gestellt werden. Fragen bzgl. Utopie und wie man dorthin kommt gibt es nämlich genug, bspw. hinsichtlich Erziehung, Gewaltanwendung, dem Verhältnis zwischen Mensch und Technologie oder zwischenmenschlichen Beziehungen. Auf dem Podium sitzen werden vier hervorragende Diskutierende: Raul Zelik ist Politikwissenschaftler und Autor. Er hat u.a. „Die Vermessung der Utopie“ mit Elmar Altvater geschrieben und arbeitet zum Thema Postkapitalismus. Die Soziologin Carolin Wiedemann ist journalistisch tätig und schreibt für analyse&kritik, sowie das MISSY MAGAZINE. Sie kennt sich besonders mit Reproduktionstechnologien, dem Mensch- Maschine-Verhältnis und Perspektiven von Sexualität aus. Gisela Notz ist Historikerin und Sozialwissenschaftlerin. Sie arbeitet viel zu feministischen Themen, insb. zu Frauenbiografien sowie Familien- und Sozialpolitik. Roger Behrens, Erziehungswissenschaftler, befasst sich vor allem mit kritischer, materialistischer Bildungstheorie und Fragen von Emanzipation, Kultur und Erziehung.

22 Uhr (Kafe Marat)

  • Konzert und Party
    Kaye, Tiger Magic, Bad News, Sturm&Zimmer, Maexwelt…
    Die Berlinerin Kaye zelebriert einen vibrierenden Mix aus elektronischer Bass-Musik, Trap und versiertem Rap. Die Leipziger*innen von Tiger Magic machen mitreissenden Postpunk mit Nineties-Emo-Einschlag. Im Anschluss gibt es Technoides von Bad News (dge Detection/Love Techno Hate Germany) aus Berlin, Sturm&Zimmer (bushbash) Weissenburger und Maexwelt (isarbass).


Sonntag 4.11.18

9 Uhr (Kafe Marat)

  • Frühstück

10 Uhr (Kafe Marat)

  • Zur Geschichte und Gegenwart deutscher Erinnerungspolitik
    Nina Rabuza
    Vom „Untergang“ zur „Befreiung“. Seit der „erinnerungspolitischen Wende“ der 1990er Jahre ist das Gedenken an die (meisten) Opfer des Nationalsozialismus etablierter Teil des deutschen nationalen Gedächtnis. Es waren zum einen die Überlebenden der Lager, die für die Erinnerung am Ort der Verfolgung stritten. Zum anderen waren es neue außenpolitische Konstellationen, die zu einer strategischen Veränderung der deutschen Erinnerungspolitik führten. Inm dem Vortrag werden exemplarisch anhand des Gedenkens an jüdische und sowjetische Opfer an der KZ-Gedenkstätte Dachau Konstellationen der Erinnerung und des Gedenkens in Deutschland vorgestellt und diskutiert.Nina Rabuza promoviert zu Gedenkstätten als Formen der Erinnerung. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Kritische Theorie und Fragen der Erinnerung an den Nationalsozialismus.

  • Antisemitismus im Deutschrap
    David Häußer
    Rap ist eine der wichtigsten künstlerischen Ausdrucksformen des 21. Jahrhunderts, die HipHop-Kultur hat sich nach den Anfängen in New York längst über die gesamte Erde ausgebreitet, beherrscht vielerorts die Charts und liefert ohne Unterlass kulturell mächtige Impulse in die Welten der Mode, des Designs, der Sprache, des Internets uvm. Dabei wurden nicht nur charakterliche und finanzielle Selbstermächtigung, kulturelle Vielfalt, Kreativität, Tanz, Malerei, Lyrik und vieles mehr integriert. Auch die Abgründe der Menschheit, fragwürdige bis entsetzliche Ideen und Verhältnisse, Gewalt, Erniedrigung und Hass finden sich von Anbeginn in dieser Kultur. Antisemitismus ist eine dieser entsetzlichen Ideen, die 73 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Shoah überhaupt nicht weg ist und auch im Rap regelmäßig Ausdruck findet. Der Vortrag liefert einen kurzen Einblick in die HipHop-Geschichte des Antisemitismus und widmet sich dann primär dem Problem im zeitgenössischen Rap in deutscher Sprache.
    David Häußer ist Herausgeber des FICKO-Magazins und Rapper.

13 Uhr (Gedenkstätte Dachau)

  • Erinnern heißt kämpfen
    Novemberpogrome-Gedenkveranstaltung in Dachau
    Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 markierte den Übergang von Diskriminierung und Ausgrenzung zu offener Feindschaft und der systematischen Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland und Europa. Um 13 Uhr veranstaltet die DGB-Jugend Bayern in der KZ-Gedenkstätte Dachau, (Alte Römerstraße 75) eine Gedenkveranstaltung. Denn erinnern heißt kämpfen: Das Erinnern und Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus bedeutet eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Es ist auch ein Auftrag für die Gegenwart, allen Versuchen einer Umdeutung und Verharmlosung der Geschichte entschieden entgegenzutreten und ein erneutes Erstarken faschistischer Kräfte zu verhindern.
    Treffpunkte für die gemeinsame Anreise:11:30 Kafe Marat / 12:00 Hauptbahnhof, große Anzeigetafel