Programm


Freitag 3.11.17

Offen um 15:30 Uhr

16 Uhr:

  • Aktionstraining
    Zusammen mehr erreichen: Das Aktionstraining ist ein kurzes Basistraining für politische Aktivist*innen. Wie funktionieren Bezugsgruppen? Wie kommen wir zu kollektiven Entscheidungen in Bezugsgruppen?

19 Uhr:

  • Zum Verhältnis von politischen Utopien zu praktischer Politik
    Frigga Haug
    Ohne Zukunftshoffnung kann man schlecht handlungsfähig sein, weder als Individuum noch als Organisation. Dies gilt verschärft in Zeiten vielfältiger Krisen, von Kriegen, Katastrophen, Hunger und Angst wegen der Bedrohung der natürlichen Lebensbedingungen. Dagegen sucht etwa die Vision der Vier-in-einem-Perspektive ein Leben vorzustellen, dass im Hier und Jetzt unserer Gegenwart ansetzt und eine andere Verteilung der tätig verbrachten Zeit anzielt, prüft, wie also sinnvoller, gerechter, genussreicher und verantwortlicher zu leben ist. Das Projekt der Vier-in-einem-Perspektive greift ein, indem es alte Fragen verschiebt und einen Vorschlag macht, der ebenso das Handeln der Einzelnen betrifft und ihre Motive wie die gesellschaftliche Organisation durch die zuständigen Institutionen. Es ist eine Utopie von Frauen, aber sie gilt für alle. Das Projekt der Vier-in-einem-Perspektive wurde im Streit entwickelt von wechselnden Gruppen von Frauen, von mir ausformuliert und in langer Auseinandersetzung versucht in politische Programme einzuschreiben. Wo es teilweise gelang, wirkt es seltsam entzaubert. Ich denke, dass es sich lohnt, das Projekt auf seine Politiktauglichkeit zu prüfen. Ich stelle es in seinen Grundzügen vor und formuliere weiterführende Thesen für eine Diskussion um die Übersetzung utopischer Entwürfe in praktische Politik.

21 Uhr:

  • Abendprogramm

Samstag 4.11.17

10 Uhr:

  • Zwingende Konsequenzen aus dem NSU-Komplex
    Fritz Burschel
    Nachdem im Münchener NSU-Prozess nach langen Durststrecken und dem monatelangen, turbulenten Showdown der psychiatrischen Gutachter im Juli 2017 endlich das Ende der Beweisaufnahme erreicht wurde, ist jetzt der Weg frei für die Plädoyers und das Urteil. Den Auftakt macht Mitte des Jahres die Bundesanwaltschaft und übertrifft mit seiner kontrafaktischen Zusammenfassung noch die schlimmsten Befürchtungen. Außerdem beginnt im Gerichtssaal und in den Medien eine „Frontbegradigung“, die es ermöglichen soll, nach seinem Ende den Prozeses als Ruhmesblatt des Rechtsstaates abfeiern zu können, obwohl die wesentlichen Fragen bis heute unbeantwortet sind und niemand deren Beantwortung mehr im A 101 des Münchener Strafjustizzentrums erwartet.

  • Antifaschistische Mitmachkampagne zur Landtagswahl 2018?
    Das Schweigen Durchbrechen
    Spätestens nach der Bundestagswahl sollte Antifaschist*innen klar geworden sein, was sie im Rahmen der Landtagswahl in Bayern im Herbst 2018 zu erwarten haben: Horst Seehofer erklärte das schwache Abschneiden der CSU mit einer offenen rechten Flanke, die es zu schließen gelte. Es soll also noch deutlicher mit der AfD um die Wähler*innenschaft am rechten Rand gerungen werden. Schon die letzten Jahre war zu beobachten, dass die CSU daran arbeitet, ihr Image als rechte Law & Order-Partei zu schärfen. Um nur einige Beispiele zu nennen, seien das Bayerische Integrationsgesetz, die Sonderabschiebelager Manching und Bamberg oder die Dauerforderung nach einer Obergrenze angeführt. Rassistische und völkische-nationalistische Ideologiefragmente waren und sind dabei immer Teil der Kampagnen, mit denen die CSU Wähler*innen mobilisieren will. Kurzum, es ist von einem reaktionären Ping-Pong mit der auch in Bayern stärker werdenden AfD auszugehen. Die Spieleinsätze sind Rassismus, Nationalismus und Antifeminismus. Antifaschistische Interventionen dürfen sich im Wahlkampf deswegen nicht auf die AfD beschränken, sondern dürfen auch die CSU nicht aus den Augen verlieren. Im Workshop soll diskutiert werden, ob und wie solche Interventionen gemeinsam ausgestaltet werden könnten. Dabei wollen wir Erfahrungen aus vergangenen Aktionen einfließen lassen, uns über lokale Besonderheiten austauschen und auch über linke Alternativen sprechen.

  • CSU – Ideologie und Realpolitik
    Hedwig Krimmer
    Versammlungsgesetz 2008, Ausgrenzungsgesetz 2016, „Gefährdergesetz“ 2017, dass Bayern die ganze Republik nach rechts treibt, ist offensichtlich. Und nicht neu: Die „Ordnungszelle Bayern“ gehört zu den Entstehungsbedingungen des Hitlerfaschismus. Doch wie ernst nimmt das die antifaschistische Bewegung? Ein Plädoyer dafür, die CSU mehr ins Visier zu nehmen und den Widerstand gegen sie gemeinsam zu organisieren, gerade vor den Landtagswahlen in Bayern.

  • Out Of Action
    Out Of Action München
    In der Veranstaltung möchten wir mit euch überlegen, wie psychische Traumatisierung und Repression zusammenhängen, wie sich emotionale Belastung durch Stress äußern kann und wie wir damit solidarisch umgehen können. Out Of Action ist eine Gruppe von Aktivist*innen, die über die psychischen Folgen von Repression und Gewalt im Kontext von linkem politischen Widerstand informiert. Wir bieten emotionale erste Hilfe für betroffene Einzelpersonen und Gruppen an und unterstützen einen solidarischen Umgang miteinander auch durch Informationsveranstaltungen.

12 Uhr:

  • Rassismus als gesellschaftliche Ungleichheit
    Rosa Fava
    Wenn von „Rassismus“ die Rede ist, haben verschiedene Akteur*innen Unterschiedliches im Blick: Ungleiche Rechte von Eingewanderten, Apartheid, das Sterben lassen vor den Grenzen Europas, völkischer Nationalismus, die überproportionale Zuweisung von »Migrantenkindern« auf Haupt- und Förderschulen, Sklaverei, überwiegend weißes Personal in deutschen Institutionen, abwertende Begrifflichkeiten und Ideologien der Ungleichheit, physische Gewalt von Neonazis, … Es handelt sich dabei um historisch gewachsene, sehr unterschiedliche Formen der Hierarchisierung von biologisch und/oder kulturell bestimmten Gruppen und von Ein- und Ausschlüssen zur Schaffung homogener Kollektive. Dies überschneidet sich mit Antiziganismus, Antisemitismus und Nationalismus. In Deutschland entwickelte sich eine Kritik des Rassismus erst sehr spät und gegen große Widerstände in der politischen Öffentlichkeit und der Wissenschaft in den 1990er Jahren, meist in Orientierung an der englischsprachigen und französischen Theoriebildung. Vorherrschend im Alltagsverständnis ist aber immer noch das Konzept der Ausländer- oder Fremdenfeindlichkeit sowie der Vorurteilsforschung. In dem Vortrag geht darum, verschiedene Zugänge vorzustellen sowie einen Einblick in die Wirkungen von Rassismus auf die Subjekte zu gewinnen, die sich zur unmarkierten Norm („Weiße“, „Deutsche“, …) oder zur rassifizierten Abweichung („Schwarze“, „Migranten“ …) entwickeln.

  • Geschichte, Konzepte und Bedingungen rechten Terrors in Bayern.
    Robert Andreasch
    Nach der Selbstenttarnung des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) im November 2011 zeigten sich viele überrascht: Neonazis, die abgetaucht sind, Serienmorde, Nagelbombenanschläge und Raubüberfälle begehen? Robert Andreasch erzählt die Geschichte rechtsterroristischer Gruppierungen vor und nach dem NSU in Bayern und erinnert an deren (oft weitgehend vergessene) Attentate. Welche Konzepte des bewaffneten Kampfes wurden und werden in den hiesigen rechten Szenen diskutiert und umgesetzt? Welche politischen Kampagnen von rechts wurden und werden durch Anschläge begleitet und warum? Welche Konsequenzen sollten Antifaschist_innen ziehen? Mit Robert Andreasch (Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München).

  • Grenzregime Europa – Ein Rückblick und eine Vorschau
    Bernd Kasparek
    Nur zwei Jahre nach dem Sommer der Migration sind die Grenzen Europas wieder geschlossen. Aufgrund dubioser Deals, die 2016 mit der türkischen Regierung, und in diesem Sommer mit libyschen Milizen geschlossen wurden, ist es für Flüchtlinge und MigrantInnen erneut schwieriger geworden, Europa zu erreichen, ohne dabei ihr Leben zu riskieren, oder jahrelang an den Toren Europas festzusitzen. Doch die Zusammenarbeit mit Drittstaaten, eine hochgerüstete und militarisierte Grenze, der verstärkte Einsatz von europäischen Agenturen, und ein rigides Asylsystem im Inneren Europas sind keine Entwicklungen der letzten Jahre. Die Geschichte der Grenzen der EU beginnt schon vor über 30 Jahren mit den Abkommen von Schengen, und hat sich seitdem in die facettenreichen Felder der Migrations-, Asyl- und Grenzpolitik der EU fortentwickelt. Der Vortrag bietet eine kritische Einführung in die Geschichte und Entwicklung des europäischen Grenzregimes, also dem Netzwerk aus Institutionen, Akteuren, Diskursen und Politiken, welche an, jenseits und innerhalb der Grenzen Europas wirken. Ausgehend von den Schengener Abkommen wird die Fortentwicklung dieses Systems der Migrationskontrolle bis zum kurzzeitigen Kollaps im Sommer 2015 beschrieben.

  • Antifa und die Non-Citizen-Bewegung
    Antira Muc
    Non-Citizen, also „Nicht-Bürger*in“, kam als Selbstbezeichnung in den selbstorganisierten Kämpfen von Geflüchteten im Jahr 2012 auf. Warum ist die Verbindung dieser Kämpfe und der antifaschistischen Bewegung wichtig? Wo sind die Verbindungspunkte und auf welche Weise können die Bewegungen verknüpft werden? Ist eine Verbindung möglich?

15 Uhr:

  • Zur aktuellen Situation in der Türkei
    Sibel Schick
    Seit dem gescheiterten Putschversuch 2016 steigt die Gewalt in der Türkei ununterbrochen. Die Situation der Frauen verschlechtert sich täglich, sowie die der LGBTIQs. Der bewaffnete Konflikt in kurdischen Städten macht das Leben nicht nur für Kurd*innen schwer, sondern auch für andere ethnische und religiöse Minderheiten, sowie für alle marginalisierten Gruppen. Mit einem Vortrag beantwortet die Journalistin Sibel Schick die Fragen, wie die aktuelle Situation für Frauen, LGBTIQs und Minderheiten in der Türkei ist, und inwiefern sich das Leben für marginalisierte Gruppen seit dem gescheiterten Putschversuch geändert hat. Sibel Schick ist 1985 in der Türkei geboren. Aufgrund der intersektionalen Diskriminierung als Kurdin, Alevitin und Frau verließ sie 2009 die Türkei, und lebt seitdem in Deutschland. Als freie Autorin schreibt sie Artikel für deutsch- und türkischsprachige Medien.
  • Reproduktionsarbeit: systematisch prekär…
    RIFF – Risse Im Falschen Film
    »Acht Stunden Arbeit sind vorbei / es sieht ganz so aus, als wärst du frei.« (Ton Steine Scherben – Feierabend) Nach der Acht-Stunden-Schicht noch rechtzeitig zur KiTa hetzen, einkaufen gehen, kochen, waschen, den lieben Kleinen bei den Hausaufgaben helfen, den WG-Putzdienst erledigen… und das bei wenig Zeit, wenig Geld, dafür mit viel Stress und erschöpft von der Arbeit. So sieht die sogenannte Freizeit, die „Zeit für mich und mit den Liebsten“, in dieser Gesellschaft meist aus. In der Veranstaltung soll es darum gehen, warum dieses Ideal so selten aufgeht, wie Reproduktionsarbeit mit Lohnarbeit und Produktion zusammenhängt, was die Rolle des Staates dabei ist und warum nach wie vor putzen, kochen und Kinder erziehen vor allem an Frauen* hängen bleiben.

  • Für eine Kanakisierung des Antirassismus
    Massimo Perinelli
    Wie kann ein guter Antirassismus möglich werden in einer Zeit, in der überkommen geglaubte Identitäts- und Homogenitätskonzepte nicht nur von rechts, sondern auch aus rassismuskritischen Kreisen eine Renaissance erleben? Der Beitrag möchte jenseits von starren Positionierungs- und Unterwerfungsaufforderungen, die es immer schwieriger machen, gesellschaftliche Veränderung überhaupt noch zu denken, an vergangene und gegenwärtige Kämpfe der Migration anknüpfen. Es soll deutlich werden, dass Rassismus nicht nur ein reaktives, den Kämpfen aus der Migration stets hinterherhinkendes Herrschaftsinstrument darstellt, sondern dass er auch überwindbar ist und in der Vergangenheit und Gegenwart tagtäglich überwunden wurde und wird. Massimo Perinelli ist Historiker und Gründungsmitglied von Kanak Attak.

  • Erste Hilfe auf Demos
    Demosanis
    Als Demosanis verstehen wir uns als Teil linker Antirepressionsstrukturen. In dem Workshop möchten wir die Grundlagen unserer Arbeit vorstellen, praktisches Wissen und Tipps weitergeben.

17 Uhr:

  • Die AfD nach der Bundestagswahl
    Andreas Kemper
    Die AfD ist (noch) kein homogener (einheitlicher) Block, auch wenn Parteivorsitzender Meuthen vor allem von der Homogenität des faschistoiden „Kyffhäuser-Treffens“ des national-völkischen Flügels schwärmt. Es gibt neoliberale, christlich-fundamentalistische und national-völkische Strömungen der Ungleichheit und Streitigkeiten um die richtige Strategie: Realpolitik oder fundamentaloppositionelle Bewegungspolitik. Seit Jahren wird der Höcke-Flügel in der AfD immer stärker, beunruhigend ist dies nicht nur im parlamentarischer Hinsicht, sondern vor allem vor dem Hintergrund des Bekanntwerdens potentiell terroristischer Zellen in Bundeswehr und Reservistenverbänden. Andreas Kemper wird die Ungleichheitsströmungen der AfD und die Bedeutung der faschistischen Flügels in der AfD darstellen.

  • Kleine Einführung in die Kapitalismuskritik
    Stefan Dietl
    Für die einen „gibt es kein System, das die Armut schneller beseitigt“ (Wirtschaftswoche), und sind sich daher sicher, dass er „alternativlos ist und bleibt“ (Die Welt) und „dass die Menschen die kapitalistische Wirtschaftsordnung lieben“ (FAZ). Für die anderen „ist der Kapitalismus gescheitert“ (attac) und die „Idee des Kapitalismus tot“ (Michael Moore), während die nächsten feststellen das „der Kapitalismus so quicklebendig ist wie nie“ (Spiegel). Doch was ist eigentlich der Kapitalismus von dem alle reden? Welche historischen, ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen kennzeichnen die kapitalistische Produktionsweise und wie kann eine emanzipatorische Kritik an den bestehenden Verhältnissen aussehen? Stefan Dietl versucht einige grundlegenden Vorstellungen der Marx´schen Kritik der politischen Ökonomie vorzustellen und in Grundbegriffe wie Ware, Wert und die Entstehung des Mehrwert einzuführen. Dabei wird er sich auch mit den regressiven Vorstellungen mancher „Kapitalismuskritiker“ beschäftigen und der Frage nach gehen, ob und wie eine emanzipatorische Aufhebung der kapitalistischen Verhältnisse möglich ist.

  • Die AfD und der Antifeminismus
    Eike Sanders
    Die Rechtsaußen-Parteien Europas werden erstaunlich oft von Frauen geführt. Das hat Gründe – und ist trotzdem paradox. Viele Führungsfrauen zum Beispiel der AfD sind dabei weit mehr als plakative Aushängeschilder zur Verhinderung einer fortschrittlichen Einwanderungs- und Integrationspolitik. Ganz offensiv arbeiten die rechten »Frontfrauen« auch daran, politische und gesellschaftliche Errungenschaften der Frauen- und Queerbewegung zurück zu drehen. Sie verurteilen staatliche Maßnahmen zur Gleichstellung der Geschlechter, polemisieren gegen Feminismus, gegen geschlechtersensible Pädagogik und Sexualerziehung – und nicht zuletzt gegen die mühsam erkämpften Rechte von Frauen und LGBTI* auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung. Die inneren Auseinandersetzungen der AfD sind auch zu dem Themenfeld noch nicht beendet. Die Aktivitäten anderen Akteure des sich zunehmend besser organisierenden Antifeminismus zeigen jedoch, dass die Gesellschaft dringend neue feministische und antifaschistische Antworten braucht.

  • Außerstädtische Perspektiven antifaschistischer Politik
    Contre La Tristesse
    Vor allem in Kleinstädten und ländlichen Gebieten haben es linke und linksradikale Strukturen oft schwer. Häufig sind konservative und rechtsradikale Einstellungen sowie geschichtsrevisionistische Brauchtumpflege in der Landbevölkerung verankert. Ihr gegenüber steht eine oft junge linke Szene, die mit vielfältigen strukturellen Problemen zu kämpfen hat. Haben sich linke Strukturen etabliert, sind diese durch die Abwanderung der Aktivist*innen in größere Städte stark bedroht. Das von früheren Gruppen etablierte Wissen muss ständig neu erarbeitet werden, sowohl inhaltlich als auch strukturell. Mit diesem Workshop wollen wir Konzepte und Strategien diskutieren, wie eine Organisation linksradikaler Gruppen im kleinstädtischen und ländlichen Raum möglich ist und erarbeiten, welche Perspektive antifaschistische Gesellschaftskritik und Praxis außerhalb der Großstädte hat und wie wir diese aufbauen und stärken können.

20 Uhr:

  • Rechter Terror – Kontinuitäten, gesellschaftliche Wahrnehmung und antifaschistische Perspektiven
    Podiumsdiskussion
    Die Bombe auf dem Oktoberfest, die Mord- und Bombenanschläge des NSU, das Attentat am OEZ – rechter Terror hat in Deutschland zahlreiche Todesopfer gefordert, Schwerverletzte, Traumatisierte, Hinterbliebene hinterlassen. Immer wieder wurde die politische Motivation hinter den Taten zunächst von Behörden und Medien geleugnet, teilweise über Jahre hinweg. Immer wieder wurden Opfer und Angehörige ins Visier genommen, anstatt in der rechten Szene zu ermitteln. Immer wieder wurden Thesen von „Einzeltätern“ stark gemacht und individuelle Probleme als Begründung für die Taten herangezogen, anstatt die Täter_innen als Rechtsradikale zu begreifen, und zu versuchen Mittäter_innen zur Verantwortung zu ziehen. Im Rahmen dieser Podiumsdiskussion wollen wir uns damit auseinandersetzen, wie rechter Terror in dieser Gesellschaft verhandelt wird. Was bedeutet es, wenn rechter Terror nicht als solcher benannt wird, woher kommen diese Tendenzen zur Leugnung und welche Rolle spielt in dem Komplex institutioneller Rassismus? Außerdem wollen wir in diesem Zusammenhang über Perspektiven antifaschistischer Intervention diskutieren. Es diskutieren Martina Renner, Doris Liebscher, Carl Melchers und ein Beobachter des „Gruppe Freital“-Prozesses.

22 Uhr:

  • Party/Konzert
    HC Baxxter, Wunst, DJ MSHA und NiMix

Sonntag 5.11.17

11 Uhr:

  • Die AfD und die soziale Frage
    Stefan Dietl
    Innerhalb von gerade einmal vier Jahren zog die Alternative für Deutschland (AfD) mit teils zweistelligen Ergebnissen in dreizehn Landesparlamente und den Bundestag ein. Zu ihrem Programm gehört neben der Hetze gegen Migrant*innen und Geflüchtete, dem Kampf gegen die Rechte von Frauen und der Diskriminierung von Behinderten, Homosexuellen und Transgender, auch die Ausgrenzung von sozial Benachteiligten. Trotz ihrer neoliberalen Programmatik ist die Partei vor allem auch unter denjenigen erfolgreich, die von marktradikalen Umbaumaßnahmen besonders betroffen sind. Stefan Dietl analysiert die Entstehungsgeschichte der Alternative für Deutschland und untersucht die aktuellen sozial- und wirtschaftspolitischen Programmatik der AfD vor dem Hintergrund des Kräftezerrens zwischen Marktradikalen und völkischen Nationalisten. Daneben versucht er der Frage nachzugehen wie eine Erfolgreiche antifaschistische Strategie gegen die Rechtspartei aussehen könnte.

  • Digitale Selbstverteidigung
    Sheldon C.
    Der Vortrag klärt grundlegende Fragen rund um das Thema Sicherheit im Umgang mit elektronischen Geräten und Medien. Gibt es überhaupt Möglichkeiten sich komplett zu schützen oder kann man lediglich die Risiken minimieren? Diese und weitere Fragen sollen geklärt werden. Der Vortrag richtet sich an Smartphone-Erstbesitzer_innen aber auch an diejenigen unter euch, die sich schon länger mit dem Thema auseinandersetzen.

13 Uhr:

  • Exkursion ins NS-Dokuzentrum – München und der NS
    Hier soll die Bedeutung Münchens für die Geschichte des Nationalsozialismus beleuchtet und dabei ein inhaltlicher Bogen gespannt werden, von der Gründung der Partei im Jahre 1919 bis zur Inszenierung der Macht als Hauptstadt der Bewegung.

  • Exkursion ins NS-Dokuzentrum – Umgang mit der Vergangenheit
    Am 30. April 1945 endete die NS-Herrschaft in München mit dem Einmarsch der US-amerikanischen Armee. Das Datum markiert zugleich den Beginn der bis heute andauernden „zweiten Geschichte“ des Nationalsozialismus in München: Der Geschichte des Umgangs mit dem Nationalsozialismus und seinen Folgen.
  • KZ-Gedenkstätte Dachau: 79 Jahre nach den Novemberpogromen
    Die DGB-Jugend erinnert an die Novemberpogrome. Vor 79 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. November steckte ein antisemtischer Mob Synagogen in Brand, plünderte jüdische Geschäfte und fiel gemeinsam mit der Staatsgewalt über jüdische Menschen her.